Bericht von Günter Hainzl, Herbst 2006

Der letzte Senegalaufenthalt war geprägt von dem eklatanten Rückgang der Fischerei- Erträge.

Die Fischer klagten, dass sie bei den Ausfahrten nicht einmal die Treibstoffkosten erwirtschaften können. Sie seien gezwungen, neue Gewässer aufzusuchen. Das bedeutet aber, dass sie Fischgründe aufsuchen müssen, die entweder durch Klippen oder Korallen die Netze zerstören, oder aber weit draußen in internationalen Gewässern navigieren müssen. Letztere Fischgründe sind aber durch den Schiffsverkehr gefährlich, auch fehlen auf den Pirogen die Navigationsgeräte. Dazu kommt noch, dass vorbeifahrende Schiffe die ausgelegten Netze zerstören.

Mir ist schon bei früheren Senegalaufenthalten aufgefallen, dass an manchen Tagen der Strand voll von toten Fischen war. Erst als ich im Internet den beiliegenden Artikel fand, hatte ich eine Erklärung für diese schockierende Erscheinung.
Im Jänner dieses Jahres las ich im Internet die erfreuliche Nachricht, dass Senegal das Fischerei-Abkommen mit der EU nicht mehr verlängert hat. Ich hoffe, sie lassen sich nicht doch noch über den Tisch ziehen!

Auch in der Landwirtschaft zeichnen sich schon seit einigen Jahren Probleme ab:
durch die Ausdehnung der Anbauflächen mussten zahlreiche neue Brunnen gegraben werden. Dies führte zu einem Absinken des Grundwasserspiegels unter das Meeresniveau. Das hatte zur Folge, dass der Salzgehalt vieler Brunnen so stark anstieg, dass das Wasser nicht mehr zu gebrauchen war. In ihrer Not haben die Bauern trotzdem noch zu viel salzhaltiges Wasser auf die Böden gebracht, sodass auch die Ackerflächen auf Jahre hinaus unbrauchbar wurden.

Dagegen hat sich die Wohnungssituation in den letzten Jahren enorm verbessert. Es gibt in M´Balling kaum noch Familien, die aufgrund mangelnder Wohnungen auf Freunde und Verwandte aufgeteilt sind. Zwar gibt es noch zahlreiche Stroh- und Lehmhütten, aber der Großteil der Bewohner hat menschenwürdige Unterkünfte. Auch sind die Brandkatastrophen, die früher immer wieder zahlreiche Opfer gefordert haben, stark zurückgegangen.

Erfreulich- wenn auch kostspielig- ist die Tatsache, dass die Zahl der Gymnasiasten in M´Balling weiter gestiegen ist. Derzeit bezahlen wir für 47 Jugendliche den Besuch des Gymnasiums, für drei Studenten bezahlen wir den Besuch der Universität und für drei den Besuch der Tourismusschule.

In der nächsten Zeit wird das Hauptaugenmerk auf die Hilfe für die Fischer zu legen sein: Kauf von Netzen, Reparatur und Anschaffung von Außenbord- Motoren, Instandsetzung der Pirogen

EU-Fischflotten dezimieren Fischbestände in Afrika
Bis zu 90 Prozent des Fangs wandert tot wieder ins Meer

London/Dakar (pte/02.04.2002/11:58) – EU-Fischereiflotten, die vor der Küste des westafrikanischen Staates Senegal fischen, werfen bis zu 90 Prozent des Fanges wieder ins Meer, weil die Größe der gefangenen Tiere zu klein ist. Nach Angaben des Television Trust for the Environment (TVE) http://www.tve.org verkommen die Gewässer vor Senegal zu einer Abfallhalde für tote Fische. Für die lokale Bevölkerung bedeutet dies eine wirtschaftliche Katastrophe. Der EU-Generaldirektor für Fischereiwesen Steffan Smidt weist die Anschuldigungen zurück. Belastend ist aber eine Filmdokumentation, die das Gegenteil zeigt.

Insbesondere Shrimps, Thunfisch und Sardinen sind in den Gewässern der westafrikanischen Republik häufig. „Aber die Methoden der EU-Flotte sind nicht wirklich nachhaltig und frei für alle“, meint BBC-online. Die modernen Fischfangmethoden zerstören eine der wertvollsten Ressourcen von Senegal. „Das Ökosystem in tropischen Gewässern ist fragil und die Reaktion auf industrielle Fangmethoden wie sie in der EU praktiziert werden, hat schreckliche Folgen“, so Brian O´Riordan, Sprecher des internationalen Kollektivs zum Schutz von Fischereiarbeitern. Die Zerstörung entspreche in etwa der eines Kahlschlages in einem Wald. „Die EU-Fangflotten jagen alles, können aber nur einen Bruchteil, zwischen zehn und 20 Prozent, verwerten. Der Rest wandert tot wieder in den Ozean zurück“, so der Experte. Genau jene Fische seien es jedoch, die sozusagen das Rückgrat der lokalen Fischerei ausmachen. „Darüber hinaus verwandeln die industriellen Fangflotten das Meer in eine Art Müllhalde.“

Steffan Smidt argumentiert dagegen, dass es in der EU Vorschriften betreffend der Größe der gefangenen Fische und der Netzmaschen gebe. Dabei sollte verhindert werden, dass es zuviel Beifang gebe. Die Vereinbarung zu einer Verlängerung der Fangerlaubnis von EU-Schiffen vor der Küste von Senegal wurde Ende März verschoben. Die alte Vereinbarung lief bereits im Dezember 2001 aus. Eine Verlängerung gibt es bisher nicht. Streitpunkt ist die Kompensation zwischen der EU und der westafrikanischen Republik ist der Betrag zur Kompensation der Fischereirechte.

Weitere Informationen: http://europa.eu.int/comm/fisheries/news_corner/press/inf02_05_en.htm

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