Besuch in M´Balling Oktober / November 2014

Bei meinem diesjährigen Aufenthalt in M´Balling durfte ich gleich zu Beginn ein freudiges Ereignis dokumentieren: Die Eröffnung eines neuen Gebäudes mit weiteren 4 Klassenzimmern im College. Natalie Moosmann und ihr Verein „Wissen macht Stark“ hat in den vergangenen 12 Monaten den Ausbau der Mittelschule um insgesamt 8 Klassenzimmer finanziert. Die dringend notwendige Erweiterung wurde von den Vertretern der Gebietsverwaltung und Gemeinde, aber vor allem von den Lehrern und Schülern ausgiebig gefeiert.

Ein weiteres Fest gab es zur Einweihung der neu gebauten Krankenstation. Dieses Projekt wurde vom „3. Welt Verein Goldegg“ in Zusammenarbeit mit unserer Leprahilfe finanziert. Beim Eröffnungsfest tanzten die jungen Frauen von M´Balling, da mit dem Bau nicht nur eine neue Krankenstation mit stationären Bettenzimmern, sondern auch eine neue Entbindungsstation errichtet wurde. Die Krankenschwestern und Hebammen wohnen jetzt ebenfalls auf dem Gelände und damit ist eine kontinuierliche Betreuung der Kranken gewährleistet. Die neuen Gebäude sollen Anfang 2015 bezogen werden. Dann werden sich auch die Notwendigkeiten für die Einrichtung wie Krankenbetten, Ultraschallgeräte und andere medizinische Apparate herauskristallisieren. Wir werden dafür wieder einiges an finanzieller Unterstützung durch unsere Spender benötigen.

Neben diesen erfreulichen Entwicklungen für die Ausbildung und Gesundheit der Bewohner von M´Balling gibt es allerdings auch große Schwierigkeiten. Eine davon ist die zunehmend dramatische Situation bei der Ernährung. Die Regenzeit hat in Senegal erst mit fast 2 Monaten Verzögerung eingesetzt. Es ist teilweise um 1/3 weniger Regen gefallen als in anderen Jahren oder der Regen war gehäuft so stark, dass es zu großen Überschwemmungen gekommen ist. Dies hat dazu geführt, dass die erste Ernte um 40% geringer ausgefallen ist.  Auch konnten sich die Grundwasserspiegel nicht wieder genügend auffüllen und so wird für die zweite Anbauperiode in der Trockenzeit, für die das Grundwasser unerlässlich ist, eine noch schlechtere Ernte erwartet.

Damit nicht genug. In M´Balling leben 60% der Familien direkt oder indirekt (Verarbeitung) vom Fischfang. Dieser ist jedoch so stark eingebrochen, dass an manchen Tagen bis zu 80% der Boote an Land bleiben. Es gibt nicht genügend Fische.

Und dies hat zwei Gründe: einerseits fischen die großen Fangflotten – unter anderem aus der Europäischen Union – seit einigen Jahren die Küstengewässer vor Westafrika leer. Laut Greenpeace fängt ein Riesentrawler bis zu 300 Tonnen am Tag. Das ist so viel wie der Fang von 50 kleinen senegalesischen Fischerbooten in einem Jahr! Zusätzlich hat die Klimaveränderung die Meeresströmungen vor Senegal beeinflusst und damit den küstennahen Fischfang  weniger ertragreich gemacht.

In der Fischverarbeitung sind 70 Familien vom fehlenden Einkommen betroffen. Die Lebensmittelknappheit dürfte sich noch weiter verschärfen, da die Preise bereits gestiegen sind, was wir in unserer Küche (die für 200 besonders Bedürftige täglich ein warmes Essen zur Verfügung stellt)  durch höhere Kosten schon bemerkt haben. Für eine durchschnittliche senegalesische Familie, die ca. 80% des Einkommens für Nahrungsmittel verwenden muss, können solche Preissteigerungen existenzbedrohend sein.

Wie so oft bin ich mit gemischten Gefühlen zurückgekommen. Beeindruckend ist die Freunde und Fröhlichkeit der Menschen und die Dankbarkeit für unsere Unterstützung.  Gleichzeitig sehe ich aber überall auch die Not und Armut der Menschen, die das Weiterarbeiten unserer Leprahilfe in Senegal so notwendig macht.

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