Hart, Senegal – Helfen im Lepradorf: Edith Walder erzählt

News-Themen
Hart, Senegal – Helfen im Lepradorf: Edith Walder erzählt
Artikel auf NÖN.at vom 20. Oktober 2016

Einmal im Jahr geht’s für die pensionierte AHS-Lehrerin Edith Walder in den Senegal. Sechs Wochen lebt sie dann im Lepradorf M’Balling. Anfang November sitzt die 68-Jährige erneut im Flugzeug Richtung Westafrika.
edith_noen
„Ich war 2011 zum ersten Mal dort“, erzählt Walder, für die klar war, dass sie sich in ihrer Pension für den Verein Leprahilfe Senegal engagieren werde. Den Obmann des Vereins, Günter Hainzl, kannte sie bereits lange, die Projekte, wie auch die Krankheit, waren ihr vertraut. „Als ich noch gearbeitet habe, wollte ich nicht in den großen Ferien nach Afrika fliegen, genau dann ist dort nämlich Regenzeit“, erklärt sie.

Aber bevor es nach M’Balling geht, hat die Pensionistin in ihrer Heimatgemeinde Wullersdorf noch einen großen Auftritt: Kommenden Samstag spricht sie im Wullersdorfer Choleraspital über ihre Erfahrungen über das Leben im Lepradorf.

„Ich schau‘, ob das Geld ankommt. Und es kommt an“

Walder ist Kassier-Stellvertreterin und hat den Bereich der Kinderpatenschaften im Verein übernommen. Wenn sie vor Ort ist, unterstützt sie, wo Hilfe benötigt wird. Außerdem: „Ich schau’, ob das Geld auch wirklich ankommt. Und es kommt an“, versichert sie. Flüge und Unterkunft, das bezahlen Vereinsmitglieder aus eigener Tasche, sodass kaum Verwaltungskosten entstehen und die Spenden für das Lepradorf verwendet werden können.

Wenn Walder im Lepradorf angekommen ist, dann besucht sie die etwa 100 Patenkinder persönlich. Das ist ihr sehr wichtig, denn wenn die 68-Jährige wieder zurück in Österreich ist, dann schreibt sie Berichte an die Paten der Kinder. Daher ist jeder Brief individuell. „Da sitz’ ich dann schon zwei Monate“, erzählt Walder. Mit Vorbereitungen, Reise und den Berichten seien es gute vier Monate, die sie voll und ganz mit der Leprahilfe beschäftigt ist.

„Von einer Kanalisation ist nicht zu träumen“

Die Armut im größten Lepradorf Senegals zeigt sich in allen Lebensbereichen. Die Hilfsorganisation versucht, finanziell zu unterstützen. „Wenn uns Geld übrig bleibt, kaufen wir Matratzen. Die Menschen freuen sich sehr darüber.“ Denn eine Matratze ist Luxus. Ein Luxus, der auf den Boden gelegt wird, weil es an Bettgestell fehlt. „Die Hygiene ist eine Katastrophe. Von einer Kanalisation ist nicht einmal zu träumen.“

Die Leprahilfe baut mit Spendengeldern jedes Jahr bis zu 20 neue Häuser für die Einwohner von M’Balling, durch die nach und nach die alten Stroh- und Lehmhütten ersetzt werden. „Die sind zwar nicht so romantisch wie die Strohhütten, halten aber dafür länger“, erzählt die gebürtige Steirerin, die seit mehr als 20 Jahren mit ihrer Familie in Hart lebt, von Überschwemmungen.

Als Walder nach ihrer Pensionierung 2011 das erste Mal in den Senegal flog, hatte sie keine Angst, sich mit Lepra anzustecken. „Ich war gut vorbereitet“, sei ein Kulturschock ausgeblieben. Sie wusste, dass „Lepra eine Krankheit für Arme“ ist, deren Immunsystem aufgrund ihrer Lebensumstände geschwächt ist. Außerdem sind nicht alle im Lepradorf krank, dort leben überwiegend gesunde, aber arme Menschen.

Berührungsängste sind am ersten Tag verflogen

Vor einem hatte die Lehrerin allerdings schon Angst: „Ich wusste nicht, wie ich reagiere, wenn ich jemanden mit verstümmelten Händen berühren werde.“ Vielen Leprakranken fehlen beispielsweise Finger, die aufgrund von Entzündungen abgestorben sind. Doch diese Furcht war unbegründet: „Die Menschen dort sind so lieb, freundlich und herzlich, dass meine Berührungsängste gleich am ersten Tag verflogen sind“, strahlt Walder.

Die Pharmafirma Novartis gibt Medikamente zur Behandlung von Lepra weltweit kostenlos an Erkrankte ab. Deswegen ist Lepra heute sehr gut behandelbar, zum Verlust von Gliedmaßen kommt es daher kaum noch.

Der Verein Leprahilfe ersetzte aber nicht nur Strohhütten durch gemauerte Häuser, es wurde auch eine Krankenstation errichtet, um eine bessere medizinische Versorgung zu sichern. Dort können Menschen hinkommen, die Hilfe benötigen. In der Küche wird täglich gekocht, etwa 200 Essensportionen werden jeden Tag verteilt, weiß Walder. Eine Sozialarbeiterin ist vor Ort, die sich um die Armen und Kranken kümmert. Das nächste große Projekt des Vereins sind Toilettenbauten, denn diese sind im Lepradorf äußerst rar.

Zum Vortrag

Edith Walder wird am Samstag, dem 22. Oktober, über das Leben im Lepradorf M’Balling sprechen.
Der Vortrag beginnt um 19.45 Uhr und findet im Wullersdorfer Choleraspital (Abt Karl-Straße 19) statt.

Kontakt & Spenden
www. leprahilfe.at
www.facebook.com/leprahilfe.at

Spendenkonto
Volksbank Niederösterreich Mitte
IBAN: AT 1947150317 4588 0000

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentare sind geschlossen