Physiotherapie in der Leprastation

Ank Wegener

Heute möchte ich euch Ank Wegener und ihre Arbeit vorstellen:

Ank ist eine bewundernswerte 70-jährige Frau mit holländischen Wurzeln, die seit 25 Jahren in Österreich wohnt und vorher in der Schweiz und in Italien war.


Ank Wegener

Sie ist über Günter und den Verein Leprahilfe nach M´Balling gekommen. Ank hat ihr Leben lang  als Physiotherapeutin praktiziert. Von ihrem eigenen Geld hat sie gleich neben der Küche der Leprastation eine sehr schöne Praxis bauen lassen, die sie nach allen Regeln der Kunst eingerichtet hat. Die Praxis besteht aus zwei schönen, großen Räumen. Hier behandelt sie die Menschen aus dem Dorf, die Probleme mit ihrem Bewegungsapparat haben oder nach Verletzungen, Operationen und Krankheiten Rehabilitation benötigen.

Roland, einer unserer Mitbewohner, hatte eine sehr schwere Schulterluxation und Ank hilft auch ihm, seine Schulter zu mobilisieren. Er ist ganz begeistert davon, wie sanft, kompetent und einfühlsam Ank mit ihm arbeitet. Ich konnte auch manchmal dabei sein, wenn sie Übungen mit ihren einheimischen Patienten macht. Ihre Hilfe wird sehr, sehr dankbar angenommen und ihr Terminkalender ist täglich übervoll. Ank wundert und freut sich über die schnellen Fortschritte ihrer Patienten im Vergleich zu denen in Europa. Sie vermutet, dass der Grund für den beschleunigten Heilungsprozess die ruhigere Lebensart, der fehlende Stress und das warme Klima ist.

Hier einer ihrer Patienten nach einer schweren Knieverletzungen bei seinen ÜbungenHier einer ihrer Patienten nach einer schweren Knieverletzungen bei seinen Übungen

Ank macht das alles unentgeltlich und investiert ihre eigenen Mittel in ihr Projekt. Ich bewundere sie sehr dafür. Thierno, ein ganz lieber, an Lepra erkrankter Dorfbewohner, unterstützt Ank als Übersetzer. Die meisten Menschen im Dorf sprechen Wolof und Thierno kann französisch, so dass Ank durch ihn gut mit ihren Patienten kommunizieren kann.

Heute Mittag rief Ank mich an, um mir einen ihrer neuen Patienten vorzustellen. Es handelt sich um einen sehr sympathischen 18-jähren Mann, Mara Diouf, dessen Vater vorigen Monat verstorben ist. In der Familie gibt es noch fünf jüngere Kinder und deren Mutter, die jetzt ihren Ernährer verloren haben. Mara  muss jetzt für die ganze Familie sorgen. Er hat als Fischer auf einer großen Piroge angeheuert, und weil er der letzte und jüngste der Mannschaft ist, hat er die schwerste und anstrengendste Arbeit zugeteilt bekommen. Innerhalb kürzester Zeit wurden die Sehnen an der Innenfläche seiner rechten Hand so stark beschädigt, dass die Gefahr besteht, dass er seine rechte Hand nicht mehr gebrauchen kann. Ank hat ihn davon überzeugen können, dass er zehn Tage lang nicht zur Arbeit gehen soll und behandelt seine Hand.

Mara DioufAnk mit Mara DioufAnk wird sich dafür einsetzen, dass ihm nach seinem „Krankenstand“ eine andere, für ihn geeignetere Arbeit zugeteilt wird. „Krankenstand“ heißt natürlich: kein Geld, kein Essen für sieben Menschen! Hier ist dann die Leprahilfe eingesprungen und die Familie bekommt nun das Mittagessen aus der Küche der Leprahilfe.

Jetzt bin ich schon drei Wochen hier, aber ich glaube, ich werde es nie verstehen, wie es den Menschen möglich ist, so ohne jedes Sicherheitsnetz zu leben. Kein Arbeitslosengeld, kein Krankengeld, keine Sozialversicherung. Täglicher Hunger, wenn du kein Geld nachhause bringen kannst. Wie machen die Menschen das nur??????

Blog von Edith Walder: edith-2011.blogspot.com

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