Studienaufenthalt Lucas Hoffmann Dez. 2010

VerbandsstationWundversorgung Im Rahmen meiner Diplomarbeit, die ich am Zentrum für Public Health, Unit Ethnomedicine unter der Leitung von Prof. Armin Prinz schreiben werde, durfte ich 10 Wochen in M´Balling verbringen. Es waren sehr schöne, jedoch auch ab und zu durch die klimatischen Verhältnisse recht anstrengende Tage dabei.

Thema meiner Arbeit ist die „Versorgung von Leprakranken in M´Balling“. Dabei begann ich mit meiner Feldforschung im Dorf, wo ich zuerst mit den Leprakranken selbst Gespräche führte und mich in weiterer Folge speziell mit den im Dispensaire vorhandenen Mitteln auseinander setzte. Nach den ersten zwei Wochen konnte ich bereits eines mit ziemlicher Sicherheit sagen, nämlich, dass die Leprahilfe einen immens wichtigen Stellenwert im Dorf hat.

Es gibt zwar auch noch diverse andere Organisationen wie DAHW, Lilly Vogel,usw…; von all diesen ist die Leprahilfe mit Abstand der wichtigste Faktor im Dorf.

Um mir den Unterschied vor Augen zu führen, den die Leprahilfe in M´Balling ausmacht, fuhr ich auch in ein anderes Lepradorf, Touba Peyckou, das genauso wie M´Balling durch den Staat gegründet wurde und im Laufe der Zeit auf dessen Hilfe verzichten musste. Es ist kein Vergleich mit welchen Mitteln man in Touba Peycouk auskommen muss: angefangen von der Ernährung der Leprakranken und deren Verwandten bis hin zur schulischen Bildung der Jugendlichen. Ein weiteres Indiz für die positive Zukunft M´Ballings ist die stetig wachsende Bevölkerung, was z.B. in Touba Peyckou nicht der Fall ist.

Ein weiterer Punkt meiner Forschung war der Vergleich zwischen traditioneller und westlicher Medizin im Dorf. Ich versuchte hier einen gemeinsamen Weg zur Krankheitsbekämpfung und v.a. zur KH-Prävention (Malaria, Durchfallerkrankungen, etc.) zu finden. Jedoch stellte sich dieses Unterfangen als sehr, sehr schwierig heraus. Man muss sich das Dorf als eine Art „Multikulti-Gesellschaft“ (entschuldige den abgedroschenen Begriff) vorstellen, wo Wolof, Seereer und andere Ethnien miteinander leben. Jede dieser Gesellschaften hat ihre eigene Art, Krankheiten zu diagnostizieren und Kranke zu heilen. Deswegen gibt es auch verschiedene Krankheitsvorstellungen/-ursachen und auch Heiler. Vor diesem Hintergrund ist leider ein gemeinsamer Konsens mit den westlichen Medizinern derzeit noch nicht möglich, wobei letztere eher den größeren Störfaktor darstellen.

Ich möchte jetzt noch kurz einige Aufgabengebiete der Leprahilfe anführen, die, wie ich finde, einen sehr wichtigen Stellenwert im Dorf haben.

An erster Stelle sei hier die Unterstützung der Jugendlichen und Schulkinder mit Stipendien und Schulgeldern genannt. Bildung, v.a. Lesen und Schreiben, ist ein wichtiger Faktor in einem Entwicklungsland wie dem Senegal! Nur durch Bildung ist es möglich, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und sich allmählich aus dem minderen sozialen Status zu befreien. Jedoch gibt es hier im Dorf ein Problem mit den Koranschulen. Hier wird meist nur der Koran gelehrt, möglicher Weise noch Arabisch zu schreiben. Hier müsste ein Weg gefunden werden, weitere Unterrichtsgegenstände anzubieten, auch wenn dieser Weg nicht sehr einfach ist oder sein wird.

Weiters ist die Unterstützung des Dipensaires ein wichtiger Punkt der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Im Großen und Ganzen funktioniert die Versorgung der Erkrankten, in Anbetracht der Umstände, relativ gut; vergleichbar mit westlichen Verhältnissen sind die dortigen Standards dennoch nicht, v.a. im Hinblick auf die hygienischen Bedingungen im Dispensaire und auch im salle de pansement(Verbandszimmer, das speziell für Leprakranke installiert wurde). Hier gäbe es noch viele Missstände zu beseitigen. Durch die Ausstattung mit z.B. Verbandsmaterialien, Wundantiseptika, Desinfektionsmitteln, Heilsalben, Pinzetten, Einmalskalpellen, Einmalhandschuhen, bestimmter Medikamente u.v.m. wäre hier sehr geholfen!

Ein wichtiger sozialer Punkt im Dorf ist die Küche, die auch von der Leprahilfe finanziert wird. Die Unterernährung ist mitverantwortlich für viele Erkrankungen in der 3. und 4. Welt. Deswegen ist die tägliche Versorgung mit einer nährstoffreichen Kost ein ganz wichtiger Bestandteil für die Einwohner von M´Balling, v.a. für die Jüngsten und Ältesten! Eine kleiner Anstoß zur Verbesserung hier wäre vielleicht – sofern es finanziell und organisatorisch möglich ist –, die Mahlzeiten ausgewogener und v.a. mit mehr Gemüse zuzubereiten. Hier muss jedoch auch auf die lokalen Geschmäcker Rücksicht genommen werden.

Es gäbe noch weitere Unterstützungsmaßnahmen seitens der Leprahilfe, die ich für sehr essentiell halte. Jedoch würde dies den Rahmen sprengen. Weitere Ausführungen darüber folgen natürlich in meiner Diplomarbeit.

Die Leprahilfe hat sich zu einem festen und nicht ersetzbaren Partner von M´Balling etabliert, der wie überall auf der Welt nicht frei von Fehlern ist. Es ist jedoch wichtig, die Absicht der Organisation im Auge zu behalten, die lautet: „Hilfe zur Selbsthilfe“! Auch wenn diese nicht immer möglich ist, wird dies unter allen Anstrengungen versucht, umzusetzen. Es bleibt noch viel Arbeit in M´Balling, die Organisation kann jedoch auch stolz auf das Geleistete zurückblicken. In Zukunft wird es auch wichtig sein, Partner zu finden, die den Bewohnern von M´Balling eine Aufgabe und damit eine Perspektive geben.

Ich möchte mich seitens der Leprahilfe v.a. bei Dir, Günter, bedanken. Dass du ein fester und wesentlicher Bestandteil in M´Balling bist, durfte ich selbst hautnah erfahren.
Weiters ist mein Freund Thierno Diob, der mich während meiner Feldforschung jeden Tag begleitet hat, zu einem wichtigen Partner im Dorf geworden. Ich schätze ihn sehr für seine Loyalität, Akzeptanz und Freundschaft, trotz eines großen Altersunterschieds.
Vielen Dank an alle meine Freunde aus M´Balling und an die Leprahilfe, v.a. an Günter für seine Unterstützung!!

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