Die Krankheit Lepra

Historische Entwicklung der Lepra

Lepra erkrankter MannLepra ist eine der ältesten bekannten Krankheiten. Sie wurde bereits in den frühesten Schriften wie z. B. dem Papyrus Hearst erwähnt.

Übereinstimmend mit den Wanderungsbewegungen des frühen Menschen wird der Ursprung von Lepra in Ostafrika angenommen: Vor Zehntausenden von Jahren hätten sich von dort aus die Bakterien einerseits nordwestwärts nach Europa und andererseits Richtung Osten nach Indien und Asien ausgebreitet. Eine zweite Annahme geht von der Möglichkeit der Entstehung in Indien aus.

Im Alten Testament werden im 3.Buch Mose  Kapitel 13, Vers 1–46, ausführlich rituelle Reinheitsgebote beschrieben. Hierzu gehört auch das Erkennen von Aussatz und der Umgang mit dem Kranken. Allerdings wird hier nicht streng zwischen Lepra und anderen Hautkrankheiten unterschieden.

Lepra erkrankte FrauDie allgemeinere Verbreitung des Aussatzes in Europa im Mittelalter wird oft den Kreuzzügen zugeschrieben. Sie erreichte ihren Höhepunkt im 13. Jahrhundert und verschwand mit dem Ende des 16. Jahrhunderts weitgehend aus der Reihe der chronischen Volkskrankheiten in Mitteleuropa. Da Lepra im Grunde kaum ansteckend ist, liegt die tatsächliche Ursache der Erkrankungen in mangelnder Hygiene, Unterernährung und somit einem geschwächten Immunsystem.

Meyers Konversationslexikon von 1888 weist darauf hin, dass Lepra in Skandinavien, auf Island und der Iberischen Halbinsel, in der Provence und an den italienischen Küsten, in Griechenland und auf den Inseln des Mittelmeers regelmäßig vorkam. Im Verlauf der Kolonisierung gelangte der Erreger nach Westafrika und Amerika und durch den weiteren Sklavenhandel  in die Karibik und nach Brasilien.

Am weitesten verbreitet jedoch sei die Krankheit im 19. Jahrhundert in Norwegen gewesen, wo man 1862 noch 2.119 Aussätzige bei nicht ganz 2 Millionen Einwohnern zählte. In Deutschland wurden zur gleichen Zeit nur vereinzelte Fälle registriert. Insgesamt hat sich der Lepraerreger in der Zeit seiner weltweiten Ausbreitung genetisch kaum verändert, was für Bakterien extrem ungewöhnlich ist. Dennoch ließ sich mit den winzigen genetischen Unterschieden der Verbreitungsweg der Lepra nachträglich mit hoher Genauigkeit feststellen.


Verlaufsformen von Lepra

LeprahändeLepra ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die auch unter der Bezeichnung Aussatz bekannt ist. Die Krankheit ist durch eine Zerstörung der Haut und Schleimhäute sowie durch den Befall der Nervenzellen gekennzeichnet, was unbehandelt die bekannten Verstümmelungen und Behinderungen leprakranker Menschen nach sich zieht.

Die Lepra tritt in verschiedenen Formen auf, die sich in ihrer Schwere und ihren Symptomen unterscheiden:

  • zwei Extremformen:
    • die ansteckende multibazilläre Lepra (auch lepromatöse Lepra genannt)
    • die paucibazilläre Lepra (auch tuberkuloide bzw. tuberkulöse Lepra genannt)
  • drei Zwischenformen, die zwischen diesen Extremen liegen (die meisten Lepra-Fälle zählen zu einer der drei Zwischenformen)

Ursachen

Eine bakterielle Infektion ist die Ursache an Lepra zu erkranken. Die genauen Entstehungsmechanismen der Erkrankung sind jedoch nicht vollständig bekannt: Es gibt Menschen, die den bakteriellen Erreger in sich tragen, ohne dass es zum Ausbruch von Lepra kommt.

Erreger

Der für die Lepra verantwortliche Erreger ist Mycobacterium leprae: ein säurefestes stäbchenförmiges Bakterium, das sich nur innerhalb von Zellen vermehren kann. Am besten wächst Mycobacterium leprae bei einer Temperatur von 33 Grad Celsius. Bei Ausbruch der Lepra zerstört der Erreger die Haut und die Schleimhäute und befällt auch die Nervenzellen der Extremitäten. Die Begleiterscheinungen der Infektion reichen von Hautverfärbungen über Lähmungserscheinungen bis in zu einem Befall der inneren Organe und der Knochen.

Übertragungsweg

Der zur Infektion mit dem Erreger der Lepra führende Übertragungsweg ist nicht vollständig geklärt. Eine Rolle bei der Übertragung scheinen schlechte Ernährung, schmutziges Wasser und beengte Wohnräume zu spielen. Als wahrscheinlichster Übertragungsweg gilt die Tröpfcheninfektion über das infektiöse Nasensekret.

Langfristiger direkter Körperkontakt zu Menschen mit Lepra (z. B. beim Leben in einem gemeinsamen Haushalt) kann eine Ansteckung zur Folge haben. Allerdings spielt die körpereigene Immunabwehr eine große Rolle: Nur fünf bis zehn Prozent der Menschen sind anfällig für Lepra.


Diagnose und Therapie

WundversorgungBei Lepra erfolgt die Diagnose durch eine klinische Untersuchung der Betroffenen. Die erste Verdachtsdiagnose kann sich durch die typischen Symptome der Lepra wie Taubheitsgefühle und Hautflecken ergeben.

Die wichtigste Maßnahme zur Diagnose der Lepra ist der sogenannte Nukleinsäurenachweis: Dieser besteht darin, erkranktes Gewebe der Betroffenen auf die DNA des Erregers (des Bakteriums) hin zu untersuchen. Gelingt der Nachweis der Erreger-DNA, ist die Diagnose gesichert. Daneben ist der Erreger der Lepra selbst beispielsweise unter dem Mikroskop oder in einem Hautabstrich durch eine bestimmte Färbemethode (die Ziehl-Neelsen-Färbung) als stäbchenförmiges Bakterium erkennbar.

Bei Lepra besteht die Therapie in erster Linie darin, den Erreger der Lepra – das Mycobacterium leprae – zu zerstören. Dies erfolgt mithilfe einer Kombinationstherapie (Multi-drug Therapy, MDT) aus verschiedenen Antibiotika:

  • Rifampicin
  • Chlofamizin (Lamprene)
  • Dapson (DDS)

Für eine erfolgreiche antibiotische Therapie der Lepra ist es notwendig, diese Medikamente über einen langen Zeitraum einzunehmen: Die Einnahme der Antibiotika kann zwei Jahre bis lebenslang nötig sein. Ausschließlich so gelingt es, die Erreger der Lepra im Körper der Betroffenen vollständig abzutöten. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei einzelnen Hautveränderungen, kann die medikamentöse Behandlung der Lepra auf einen einzigen Tag beschränkt bleiben.


 

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