Zu Besuch bei Ibrahima

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Ein ganz lieber Kindergärtner, Ibrahima,  aus dem Dorfkindergarten hat mich heute zu sich nach Hause zum Essen eingeladen. Er spricht recht gut englisch und freut sich, wenn er Menschen trifft, an denen er sein Englisch ausprobieren kann.


ibrahimaIch habe mich natürlich über seine Einladung sehr gefreut und ein paar Mitbringsel eingepackt.  Wir fuhren mit dem Taxi nach Grand M´Bour. Busse oder andere öffentliche Verkehrsmittel scheint es nicht zu geben und die Sammeltaxis sind sehr preiswert, reißen aber trotzdem ein tiefes Loch in die Taschen der Pendler. Ibrahima wohnt mit seiner Frau und drei kleinen, entzückenden Kindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Wohnblock in einem sehr dicht besiedelten Vorort von M´Bour. Ich wurde sehr herzlich zum Mittagessen empfangen. Heute habe ich das erste Mal richtig afrikanisch gegessen: am Boden sitzend, aus einer großen Schüssel (mit Löffel!) – nur die Hausfrau aß mit der Hand. Es gab das senegalesische Nationalgericht, das aus Reis, Fisch,  Gemüse und einer sehr schmackhaften Sauce aus grünem Bissap besteht. Danach gab es Melone und den phantastischen senegalesischen Tee, den ich schon früher ein paar Mal probieren durfte.

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Ibrahima arbeitet von 8 bis ca. 13 Uhr im Kindergarten (seine Gruppe scheint mir die fröhlichste und lebhafteste zu sein) und sagt, er verdient ca. 100 Euro im Monat. Von diesem Geld erhält er nicht nur seine Familie, zahlt die Miete für die Wohnung  und sorgt für die Haushaltshilfe, sondern unterstützt auch seine Mutter, die in Dakar lebt.

Wir verbrachten einen  fröhlichen Nachmittag zusammen. Ibrahimas Kinder hatten noch nie zuvor mit Weißen zu tun gehabt und waren anfangs etwas scheu. Nach dem Genuss von ein paar Stückchen europäischer Schokolade war diese Scheu aber schnell verschwunden und die Kinder und ich konnten die Augen nicht mehr voneinander lassen. Es ist so schwer zu beschreiben, wie bezaubernd diese kleinen schwarzen Kinder sind.

Ibrahima ist auch DJ im regionalen Radio und überspielte mir afrikanische Musik auf meinen Laptop.

Während ich dies hier schreibe, haben mich mindestens fünf Moskitos gestochen, weil ich vergessen habe Autan aufzutragen, und weil es mir lästig ist, ewig daran zu denken. (Nur ja keine Malaria kriegen; dann könnte ich nie wieder nach Afrika kommen!) Ich höre Trommelgetöse aus dem Dorf. Am liebsten würde ich meine Taschenlampe nehmen und versuchen die Trommler zu finden. Naja, es soll ja nicht so klug sein, als weiße Frau in der Nacht allein im Dorf herumzuspazieren und meine Männer im Haus schlafen schon tief und fest. Da gibt es niemanden, der mich begleiten würde. Gut,  dann gehe ich eben auch schlafen und wünsche euch allen eine gute Nacht!

Blog von Edith Walder: edith-2011.blogspot.com

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